PoetryJam – die Texte

PoetryJam – die Texte 1861 682 Lehstener Kultur Alternative e.V.

Am 11. November 2022 fand der Poetry Jam in Lehsten statt – einige Texte haben wir hier veröffentlicht…

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  • Eines gewichtigen Tages kamen sie angeschlendert,
    die Lüge – der Lügner – das Lügenkonstrukt – alles richtig gegendert.
    Und trotzdem war die Wahrheit die Wahrheit nicht.
    In den Augen & Ohren der Wahrheitsempfängerin ein Schlag ins Gesicht.
    Wie konnte man sich biegen, beugen & brechen,
    um sich nicht schnöde nur zu rächen?
    Wie konnte man bewahren, all das Wahre, das bis eben noch wahr,
    ohne sich vorzumachen, dass die Wahrheit nicht das Wahre war.
    Wie konnte man stehen bleiben in Einigkeit & Vertrauen beieinander
    in diesem historisch unbemerkt gewachsenen Durcheinander?
    Und steht es nun auch in einem Gedicht:
    DIE LÜGE IST DIE WAHRHEIT NICHT.
    Die Lüge wird der Wahrheit niemals gereichen.
    Und die Wahrheit wird der Lüge einfach nicht weichen.

  • Weit gedacht, in die Banalität gebracht
    Anders akzentuiert, Bestehendes instrumentalisiert.
    Dem eigenen Vorteil nachgejagt, sich selbst dazu nichts gefragt.
    Gelenkt vom eigenen Wollen, entfernt vom erwarteten Sollen.
    Mit Kraft, entstanden aus leidvollen Worten vielen, mit der Wahrheit der anderen spielen.
    Immer mehr Egomanie – Ich. Ich. Ich. – Aber wie?
    Bespielt den Reigen der Emotionen in banalsten, trivialsten, sinnlosesten Variationen.
    Siegesgewiss am Ziel gewähnt, im puren Willen die Wahrheit geschönt.
    Denn immer gilt – Worte haben Kraft, mit ihnen also doch alles geschafft.
    Doch am Ende – & das ist wunderbar – bleibt die Erkenntnis dennoch wahr:
    LÜGEN haben Konsequenzen, sie werden den Lügner vor allem ausgrenzen.

  • Vergangenheit
    brennt auf der Haut
    suppt aus allen alten Narben
    dieses Leben
    fragwürdiges Zirkeln um unbekannte Brandung
    doch seewärts liegt Landunter
    die Gischt schlägt ins Gesicht
    bricht in unendlichen Regenbogen
    das Herz eisern
    wie nur Seide aus der Träume sind
    zäh festgekrallt am Guten
    noch in jedem Weh unterlegen
    ein windiges Wimmern
    Zukunft komm schonungslos
    in wilden Farben
    zeig, es wird gut sein
    aufzugeben
    befreie
    nimm alle Räume
    greif nach allen Dimensionen
    gib den letzten Zweifel auf
    mit Dir Zukunft in Neuland an Ufer treten
    Schmerz der alten Tage nachts ertränken
    hingegeben nur der Zeit, die immer ran ist
    heilsam
    irgendwann bereitwillig
    Jetzt gewagt
    und dann
    mit Füßen im Meer
    der Liebe sicher sein
    und Allem
    die Welle kommt
    die Woge geht

  • Blick gegen Decke
    wach
    Wecker ringt
    nicht bewegen
    müssen
    Federbetten halten warm
    aufgerafft
    rausgeschmissen
    in den Tag
    funktionieren
    kann nicht schaden
    alles fad
    Arbeit schaffen
    Listen machen
    reichlich Kaffee
    nicht viel reden
    besser machen
    Pflicht getan
    kaum ein Lachen
    leer das Blatt
    Innovation Standby
    kreativ
    bestimmt bald wieder
    kein Genörgel
    fairer Schweigen
    allein
    nicht einsam
    angemessen
    flüchtig gehen
    tut ganz gut
    dämpfig durch die Wiesen
    ein Glas Wein
    auf den Frieden
    lass die Dinge liegen
    Rauchzeichen
    annehmen
    abzulehnen
    doch was Essen
    kaum zu schmecken
    Farben fassen
    will nicht glücken
    Bücherseiten flattern träge
    dann halt Ruhe, ohne Licht
    Welt komme morgen wieder
    heute nicht

  • Endlich fallen
    Und mit Farben in den Federn
    Ins Gegenüber gleiten
    Nicht makellos doch demaskiert
    Am Morgen also mit den Möwen
    Ins namenlose Nichts aufbrechen
    Den Rost von den Rätseln kratzen
    Und den Spuren folgen
    Wie eine Tänzerin im Trommel-
    Wirbel Wirklich werden
    Den Wind durchqueren
    Und endlich
    Fallen

  • Wir trafen uns bei Nacht. Nackt sind wir einmal durch den See geschwommen. Danach haben wir uns verschiedene Zukünfte ausgedacht und uns schließlich auf eine geeinigt.
    Heute sitze ich am Ufer und warte auf dich. Es sind viele Jahre vergangen und das Später, in dem wir uns hier wieder treffen wollten, ist zum Jetzt geworden.
    Ich bin ein bisschen früher gekommen und genau wie damals kommst du wahrscheinlich ein bisschen später. Unsere Körper sind älter geworden, unsere Gefühle vervielfacht, unsere Gedanken unzählbar.
    Gleich werden wir wissen, was von unserer damals beschlossenen Zukunft übrig geblieben ist und woran wir noch arbeiten müssen. Gleich wird das Hier zu einem doppelten Ort werden, zu einer vierfachen Erfahrung aus
    dir, mir, damals und heute.
    Ich seh dich kommen, seh dich mir zulächeln, ganz genau gleich lächeln wie damals und kurz kann ich die Zeiten nicht mehr auseinander halten.
    Gleich werden wir alles erfahren: Was war und was sein wird.
    Aber vorher gehen wir noch schwimmen.

Die Autorinnen

Doreen Köppen, tief verwurzelt im Land der Tausend Seen, spielt von klein auf mit Worten – beim Vorlesen-Lassen & Zuhören, beim Selbst-Lesen, beim Rezitieren & beim Schreiben. Sie ist fasziniert von der Vielzahl unterschiedlichster Bilder, die mit Worten entstehen – gemalt mit den Farben der Gedanken.

Jasmin Glause wurde in Mecklenburg geboren, ist dort aufgewachsen und hat bis jetzt immer wieder hierher heimgefunden. Für kurze oder längere Weilen zog es sie doch auch in die Ferne: mit dem Rucksack zum Weltwandern, in die Städte zum Studieren und oft nach Skandinavien. Das Schreiben begleitet sie von Kind an. Immer weil es schön war, aber auch als wichtiges Hilfsmittel um Gelebtes, Beobachtetes und Gefühltes zu verarbeiten. Die Natur, die Tiere und die Phantasie waren dabei ihre engsten Verbündeten und prägen ihre sprachlichen Bilder.

Saskia Kühn wurde in Sachsen geboren, ist in Rheinland-Pfalz aufgewachsen und in Berlin groß geworden. Seit ein paar Jahren lebt sie mit Familie in Halle an der Saale und sucht immer wieder das Weite in Mecklenburg Vorpommern. In Sprache und Sprachen fühlt sie sich seit jeher wohl und schreibt hier und dort, vor allem in Gruppen, inspiriert von Impulsen und den Wörtern der Anderen.

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